KI-Schulungspflicht nach Art. 4 AI Act: Was Unternehmen tun müssen
Wer KI einsetzt, muss die KI-Kompetenz im Team fördern. Was das konkret heißt, was sich durch den Digital Omnibus geändert hat und wie eine Schulung aussieht, die wirklich hilft.
Ja, es gibt eine Pflicht zur KI-Kompetenz: Seit dem 2. Februar 2025 müssen Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, Maßnahmen ergreifen, um die KI-Kompetenz ihrer Beschäftigten zu fördern. Das regelt Artikel 4 des EU AI Act. Durch den Digital Omnibus wurde die Formulierung 2026 abgeschwächt: Gefordert ist nun ein ernsthaftes Bemühen statt eines garantierten Kompetenzniveaus. Die Pflicht gilt aber weiterhin für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe.
Was Artikel 4 verlangt
In der ursprünglichen Fassung mussten Anbieter und Betreiber von KI-Systemen sicherstellen, dass ihr Personal über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügt. Mit dem Digital Omnibus wurde daraus eine Pflicht, Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz zu ergreifen.
Praktisch bedeutet das: Wer KI im Unternehmen einsetzt, muss nachweisen können, dass er sich ernsthaft um die Befähigung seiner Beschäftigten bemüht hat. Eine feste Stundenzahl, ein bestimmtes Zertifikat oder ein vorgeschriebenes Format gibt es nicht. Entscheidend ist, dass die Maßnahmen zu den eingesetzten Systemen, den Aufgaben und dem Vorwissen der Beschäftigten passen.
Wen die Pflicht betrifft
Die Pflicht gilt für alle Unternehmen, die KI-Systeme anbieten oder beruflich einsetzen. Dazu zählt bereits die Nutzung eines KI-Assistenten für Texte oder Recherche. Betroffen sind alle Personen, die im Auftrag des Unternehmens mit diesen Systemen arbeiten, also auch Führungskräfte und gegebenenfalls externe Dienstleister.
Laut Bitkom schult 2026 ein Viertel der Unternehmen seine Beschäftigten überhaupt nicht zum Umgang mit KI. Das ist zwar weniger als im Vorjahr, als es noch 43 Prozent waren, aber immer noch eine deutliche Lücke.
Was zu KI-Kompetenz gehört
Eine sinnvolle Schulung vermittelt nicht nur, welche Knöpfe man drückt, sondern Urteilsvermögen:
- Funktionsweise und Grenzen: Wie Sprachmodelle Antworten erzeugen und warum sie überzeugend falsch liegen können.
- Datenschutz und Vertraulichkeit: Welche Daten in welches Werkzeug dürfen und welche nicht.
- Prüfen und Verantworten: Wie KI-Ergebnisse kontrolliert werden und wer für das Ergebnis verantwortlich bleibt.
- Rechtlicher Rahmen: Grundzüge von AI Act, DSGVO und Urheberrecht, soweit sie den Arbeitsalltag betreffen.
- Gute Praxis: Wirksame Anweisungen formulieren, Quellen prüfen, Ergebnisse dokumentieren.
Unterschiedliche Rollen, unterschiedliche Tiefe
| Zielgruppe | Schwerpunkt | Format |
|---|---|---|
| Alle Beschäftigten mit KI-Zugang | Grundlagen, Regeln, sichere Nutzung im Alltag | Kurze Schulung mit Beispielen aus dem eigenen Bereich |
| Führungskräfte | Chancen, Risiken, Verantwortung, Einführung im Team | Workshop mit konkreten Anwendungsfällen |
| Fachbereiche mit KI-Prozessen | Freigaben, Fehlerbilder, Eskalation im jeweiligen Workflow | Einweisung direkt im eingesetzten System |
| IT und Datenschutz | Architektur, Protokollierung, Risikobewertung | Technische Vertiefung |
Dokumentation: was man nachweisen sollte
Weil der AI Act kein festes Format vorschreibt, ist eine schlanke Dokumentation umso wichtiger. Sie sollte festhalten, welche KI-Systeme eingesetzt werden, welche Personengruppen damit arbeiten, welche Maßnahmen zur Kompetenzförderung durchgeführt wurden, wann und mit wem, und wie die Inhalte aktualisiert werden, wenn neue Werkzeuge hinzukommen.
Häufige Fragen
Ist eine KI-Schulung für Mitarbeitende Pflicht?
Der AI Act verlangt Maßnahmen zur Förderung der KI-Kompetenz, nicht ausdrücklich eine Schulung in bestimmter Form. In der Praxis ist eine passende Schulung aber der naheliegendste und am besten nachweisbare Weg, diese Pflicht zu erfüllen.
Gilt die Pflicht auch, wenn wir nur ChatGPT nutzen?
Ja. Auch der berufliche Einsatz eines allgemeinen KI-Assistenten ist der Einsatz eines KI-Systems im Sinne des AI Act. Die Maßnahmen können dann entsprechend schlank ausfallen und sich auf sichere Nutzung, Datenschutz und das Prüfen von Ergebnissen konzentrieren.
Gibt es Bußgelder für fehlende KI-Kompetenz?
Die Bußgeldvorschriften des AI Act nennen Artikel 4 nicht ausdrücklich, die Mitgliedstaaten können jedoch eigene Sanktionen festlegen. Fehlende Kompetenz kann außerdem bei Schäden, Datenschutzverstößen oder im Rahmen der Haftung eine Rolle spielen. Der eigentliche Grund für Schulungen ist ohnehin praktischer Natur: Gut geschulte Teams machen weniger Fehler und holen mehr aus KI heraus.
Brauchen wir ein Zertifikat?
Nein, ein bestimmtes Zertifikat ist nicht vorgeschrieben. Teilnahmebestätigungen sind aber ein einfacher Weg, die durchgeführten Maßnahmen zu dokumentieren.